An den wichtigen Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser

„Möchtest du dich auch einmal auf das Motorrad setzen?“, fragt mich der Polizist im Motorradanzug auf dem Pausenhof meiner Grundschule. Meine Augen werden riesen groß: „Oh ja!“ und schwupps greift der starke Mann nach mir und setzt mich auf sein riesiges Motorrad. Von dort oben sah die Welt winzig klein aus und der Wunsch, auch mal so ein tolles Motorrad zu fahren und Polizistin zu werden, wurde geboren.

Im Kindesalter entstand aber nicht nur ein Berufswunsch so schnell wie dieser. Nein, fast täglich wechselten sich die Träume vom späteren Berufsleben. Von Tierärztin, Lehrerin bis hin zur Landwirtin war fast alles im Topf der Träume dabei.

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Bild aus dem Dänemarkurlaub.

 

Nach der Grundschulzeit wurden die Berufswünsche dann wie auch der Unterrichtsstoff schon weniger bunt, die Unentschlossenheit der Berufswahl blieb jedoch die gleiche. „Aber was macht das schon ich habe ja noch genug Zeit um darüber zu grübeln“, dachte ich mir.

Jedoch schneller als gedacht begannen dann die Berufsorientierungstage die uns auf den naheliegenden Schulabschluss vorbereiten sollten. Ich kann Euch sagen, ich rannte von einen Stand zum anderen. „Die Bundeswehr klingt ja toll, da kann ich beweisen was in mir steckt!“. Paar Stände später stand ich vor dem Stand einer Universität „oder sollte ich nicht doch lieber Maschinenbau studieren, weil ich dann zeigen kann wie intelligent ich bin?“. Ehrlich, ich mag Mathe wirklich gern, hatte es im Abitur auch als Leistungskurs, also warum nicht?!

Zurückblickend stelle ich aber etwas fest. Damals als Kind hatte meine Berufswahl den Ausgangpunkt etwas ausüben zu wollen, weil es mich erfüllen würde mit Freude, Aufregung und Spaß. Irgendwann begann der Umbruch. Die Berufswahl wurde nicht mehr von meinem Inneren gesteuert, sondern von externen Einflüssen:

-„Was würde meine Familie sagen, wenn ich das studieren würde?“
-„Meine Klasse würde staunen, wenn ich später mal als das und das arbeite!“
-„Den Beruf würde mir ganz sicher niemand zutrauen!“

Dass das alles aber eine falsche Richtung angenommen hat, habe ich nicht gemerkt. Nun war die Schule vorbei und ich entschied mich den Erwartungen der anderen nachzugehen. Also setzte ich mir in den Kopf später Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Eine berufliche Grundlage sollte hier zunächst erst einmal die Ausbildung zur Industriekauffrau bilden. Vom Wirtschaftsgymnasium zu wirtschaftlichen Berufsleben, so der Gedanke.

2 Jahre sind jetzt seit dieser Entscheidung vorbei, die Abschlussprüfung rückt näher und in knapp 4 Monaten werde ich voraussichtlich ausgelernt haben. Gruselig, wie schnell die Zeit rennt… Was aber viel gruseliger ist, ist nicht zu wissen, was man im Anschluss machen möchte.

So wie mir, geht es aber wahrscheinlich vielen jungen Menschen. Was ich aber jetzt schon sagen kann ist, dass ich dieses Mal keine Entscheidung treffen möchte, die von äußerlichen Einflüssen abhängig war. Dieses Mal soll mein Herz entscheiden können.

Seitdem das Ziel immer näher gerückt ist, habe ich angefangen zu „forschen“. Ich frage ständig Menschen nach ihren Entscheidungsgründen für ihren Beruf. Ich frage, ob sie mit ihrer Wahl glücklich sind und was sie vor ihrem bisherigen Beruf für Träume in ihrem Leben hatten. Immer wieder stelle ich fest, dass viele einen Beruf aus folgenden Gründen gewählt haben:

  • Geld
  • Anerkennung
  • Erwartungen
  • Sicherheit

 

Ja manche wussten nicht einmal warum sie diesen Beruf gewählt haben den sie jetzt haben. Sie sind dort einfach reingerutscht und haben es nicht weiter hinterfragt.

 

Angst:

mit Beklemmung, Bedrückung, Erregung einhergehender Gefühlszustand [angesichts einer Gefahr]; undeutliches Gefühl des Bedrohtseins

Liest man sich die Definition von Angst durch, so stellt man fest, dass sie oft auf unsere Entscheidungen Einfluss nimmt. Das ist keineswegs „dumm“, sondern von der Natur aus in unsere Wiege gelegt wurden, früher hätte jede Fehlentscheidung lebensbedrohlich enden können…

Heute ist das wohl kaum mehr der Fall, dennoch haben wir Angst. Ja, dennoch habe auch ich Angst. Anders als früher wo man Angst hatte zu verhungern oder angegriffen zu werden, besteht die heutige Angst vor dem Scheitern. Wir wagen uns kaum aus unserer Wohlfühlzone, sondern gehen meistens nur die Wege die uns vorgegeben wurden. Die Pfade wo das Gras tiefer ist, das zeigt, dass auch andere Menschen vor uns hier langgegangen sind.

Ich möchte mich aber nicht von dieser Angst leiten lassen, ich möchte keinen Beruf wählen um mich später fragen zu müssen, ob es so richtig war. Häufig benutzen wir Gegenstände/Methoden nur als „Überbrückung“: „Ach erstmal reicht dieser Tisch hier aus, bevor ich mir einen neuen hole“. Dass der Tische aber nach geraumer Zeit dort immer noch steht, fällt uns schon gar nicht weiter auf. Das ist natürlich nur ein Beispiel, trotzdem auf sehr vieles übertragbar.

Meine Mutter sagt immer:

Wir Menschen sind wie ein Fluss, wir müssen immer weiterfließen, sobald wir stehen bleiben, werden wir brackig.

 

Wie ich finde, reicht der Alltag nicht aus um wichtige Entscheidungen treffen zu können. Unser Kopf ist einfach zu voll mit anderen Dingen. Schaffe ich es noch rechtzeitig zum Sport? Was muss ich noch für morgen einkaufen? Wenn ich nach Hause komme mache ich die Wäsche, sauge das Wohnzimmer … bla .. bla .. bla … wirklich traurig wie wir uns täglich so viel Stress machen und dabei das Leben leben vergessen ..

Aus diesem Grund möchte ich mir nach der Ausbildung eine Auszeit nehmen. Ich möchte mit meiner Mama den Jakobsweg in Spanien gehen. Ich weiß noch wie ich damals mit meiner Familie in den Urlaub gefahren bin und wir im Auto das Hörbuch: „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling gehört haben. Stundenlang haben wir nicht geredet und gespannt zugehört. Das hat sich so in den Kopf meiner Mutter und mir gebrannt, dass wir seitdem davon geträumt haben, diesen Weg einmal zu gehen auf der Suche nach uns selbst.

Mal ehrlich, so richtig vorbildliche Christen sind wir nicht, aber wir glauben an etwas, ob es sich jetzt Gott nennt oder anders spielt dabei keine Rolle. Das Schöne ist, dass ich mit meiner Mutter eine wirklich tolle Beziehung habe, wir quatschen über alles und philosophieren über Gott und die Welt mit dem Fokus auf unsere Gefühlswelt, wirklich toll. Deswegen freue ich mich schon umso mehr auf diese Reise. Eigentlich wollte ich schon nach dem Abitur mit ihr durch Spanien wandern, aber dann hat das Berufsleben einfach schneller zugegriffen.

Wahrscheinlich war das gar nicht mal so schlecht. So konnte ich Erfahrungen sammeln und kann nun einen Topf voller Gedanken mit auf diesen Weg nehmen.

Dieser Beitrag war wirklich etwas anders als die bisherigen. Ich schreibe sehr gerne über solche Themen. Wie unser Körper funktioniert ist die eine Sache, aber wie unser Geist, unsere Seele und unser Herz funktionieren ist die andere Sache, die mich sehr stark interessiert.

 

Also, wenn Ihr auch dieses Interesse teilt:

 

Bleibt dabei,
Eure Wolfsfrei ♥

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