Mobbing – Meine Erfahrungen

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über meine Schulzeit schreiben, aber als ich dieses Thema hier aufgriff, fiel mir auf, dass ich hierzu sehr viel zu sagen habe …

Jeder Mensch hat schon einmal auf der einen oder anderen Art mit Mobbing seine Erfahrungen gemacht, bei dem einen war es harmloser, bei dem anderen leider nicht.

Ich denke, dass ich zu denen gehöre bei denen es ganz schön in die Tiefe ging.

Also sitze ich hier nun und schreibe diesen Beitrag um zu hoffen, dass er anderen Mut machen könnte.

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Quelle: https://www.zdf.de/kinder/logo/mobbing-in-der-schule-100.html

Meine ersten Erfahrungen mit Mobbing …

… machte ich in der Grundschule. Ich war in der ersten Klasse und hatte eine ziemlich gestörte Lehrerin. Das kann ich so sagen, da ich nicht die einzige bin, die dieses Urteil gefällt hatte.

Meine Klassenlehrerin machte es einen Heidenspaß Schüler bis aufs Knochenmark zu erniedrigen. Schüler wären nicht Schüler, wenn man auch mal „unartig“ war. Als Kind etwas völlig normales, für meine Lehrerin aber nicht..

Hat ihr etwas nicht gepasst, ist sie ausgerastet. Das ist jetzt schon 17 Jahre her, aber ich glaube, dass es damals mit einem Klassenkameraden anfing, weil er öfters keine Hausaufgaben machte.

Irgendwann ist ihr die Hutschnur gerissen und sie setzte ihn weg. Als wäre das nicht genug beleidigte sie ihn noch bis er zu weinen anfing. Später war meine damalige beste Freundin ihr Opfer. Meine Freundin hatte es schon immer faustdick hinter den Ohren und wusste schon als Kind, wie sie Menschen verbal treffen konnte.

Aus Wut sagte sie etwas zu der Lehrerin und diese hatte ihre Rage nicht mehr unter Kontrolle und kniff meiner Freundin die Ohren blutig.

Dann war ich an der Reihe. Keine Ahnung mehr warum, aber ich wurde mit meinem Tisch zur Wand gesetzt und von ihr so stark beleidigt. Selbst als ich elendig schluchste, hörte sie nicht auf, als wäre das ihre Intention gewesen.

An Sprechtagen log sie bis sich die Balken biegten und wir, als Kinder, waren im Unrecht. Ich beobachtete mein Umfeld und fand heraus, dass sie Lieblinge hatte. Das waren die, die sich bei ihr einschleimten und so versuchte ich mein Glück. Ich fand es mit meiner Freundin witzig, weil wir sie für dumm verkauften. Sie bekam von alldem nichts mit und belohnte unsere gefälschte Schleimerei mit sehr guten Noten.

Meine schlimmsten Erfahrungen mit Mobbing…

machte ich auf der Realschule. Ich glaube, dass ich 15 Jahre alt war. Vielleicht kennt ihr noch Schüler-VZ?! Jedenfalls fing dort alles an.

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Ich war früher ein Mädchen, das eine große Klappe hatte. Ich weiß nicht mehr warum, aber es gab im Internet auf SVZ irgendeine Diskussion .. ich glaube meine damalige beste Freundin wurde beleidigt und ich schoss scharf zurück direkt zum Leid meiner damaligen Klassenkameradin.

Diese Klassenkameradin war wirklich kein unbeschriebenes Blatt, aber dass sie jemand zurückbeleidigen würde, kannte sie nicht. Let the hunger games begin.

Dieses Mädchen hatte damals Verbündete in meiner Klasse. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass sie selbst gar nicht mal so aggressiv war, aber ihre Freundinnen waren es schon eher und eine von ihnen ganz besonders.

Nach dem Tag des Cyber-Shitstorms gingen die Beleidungen in der Schule weiter. Ich hatte mir nicht viel dabei gedacht und zurück beleidigt. Nach diesem Tag war für mich alles gegessen, man hatte sich beleidigt und war dumm, Ende. Für die eine von Ihnen hatte es aber gerade erst so richtig Spaß gemacht.

Die Beleidigungen wurden immer schlimmer und aus Tagen wurden Wochen. Aus Worten wurden Taten.

Mein Stuhl, mein Rucksack und später auch ich wurden weggetreten. Mir wurde Kaugummi ins Haar geschmiert. Ich wurde beleidigt, wenn ich mich im Unterricht gemeldet habe. Ständig wurde über mich gelacht und ich wurde ununterbrochen ins Visier genommen..

Jede Bewegung von mir wurde wahrgenommen und ein Echo aus Beleidungen ertönte.

Aus mir, der noch anfangs starken Zicke, wurde ein ganz kleines zerbrechliches Mädchen.

Die Angst war mein ständiger Begleiter. Am Anfang konnte ich zwischen den Angriffen noch pausieren, dann wurden sie aber immer schlimmer und irgendwann hörten sie gar nicht mehr auf.

Ich passte nicht mehr im Unterricht auf, ich hatte Angst nach der Schule nach Hause zu fahren, ich verbrachte meine Pausen dort, wo sie mich nicht finden konnten. Ich kam zu spät aus der Pause wieder und zu spät zum Unterricht, um nicht vor dem noch abgeschlossenen Klassenraum mit ihnen sein zu müssen.

Ich hatte Angst, wenn der Lehrer den Klassenraum verließ. Als würde man beißende Hunde ohne Aufsicht lassen.

Denn aus den Beleidigungen wurden Drohungen. Öfters habe ich zu hören bekommen, dass ich nach der Schule aufpassen müsse..

Hatte ich keine Freunde?

Fragt Ihr Euch vielleicht.. aber eigentlich hatte ich „Freunde“. Jeder bekam in meiner Klasse mit was dort abging. Die Lehrer bekamen es auch mit, aber sie sagten nichts, weil diese Mädels einen derartig aggressiven Eindruck machten, dass die Lehrer keine Energie verschwenden wollten.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und flehte meine Freunde an mir zu helfen, doch diese spielten es runter oder sagten, dass sie selber keine Zielscheibe werden wollten.

Diese Angst, dieses Ohnmachtsgefühl, wurde von Tag zu Tag stärker. Ich erzählte es meiner Mum, aber sie wusste auch nicht weiter, da ein Gespräch mit meinem damaligen Klassenlehrer aus meiner Sicht nichts gebracht hätte und ich sie davon abhielt es anzusprechen.

Heutzutage bin ich immer noch der Meinung, dass mein Klassenlehrer nicht der richtige Ansprechpartner gewesen wäre. Er war ein Nichtsnutz. Es war ihm egal, wenn der Unterricht zu laut war, wenn man seine Hausaufgaben nicht machte und zum Schluss half er sogar Schülern, gegen alle Regeln, in der Abschlussprüfung, da er bloß keinen Abstrich bei seiner Coolness machen wollte ..

Irgendwann fing ich an in der Schule einen Stein in meiner Hand zu tragen. Er füllte meine Faust aus und ich hatte das Gefühl mich mit ihm verteidigen zu können. Ich dachte, wenn es zum richtigen Kampf kommen würde, könnte ich mich damit schützen und hätte einen härteren Faustschlag.

Wer 13 reasons why kennt, kann vielleicht verstehen, dass ich mich wie Tyler fühlte. Ich fühlte mich vollkommen allein gelassen und wehrlos. Irgendwann dachte ich, dass mir nicht mal so ein blöder Stein helfen würde, sondern eine richtige Waffe, den Mut besaß ich aber nie .. oder ich hatte wohl mehr Verstand ..

Ich kann sagen, dass diese „Anführerin“ wirklich kein leichtes Mädchen war. Sie hatte so viel Hass aufgebaut. Soviel Hass, der nicht durch eine einfache Ohrfeige abgetan gewesen wäre. Sie wollte mich am Boden sehen und das weiß ich, denn …

eines Tages kam es zum Kampf.

Meine erste Prügelei

Meine damalige Freundin wollte mir anscheinend helfen und sagte beim Verlassen des Klassenraumes „Schlampe“ zu der Haupt-Mobberin. Diese ist natürlich komplett ausgerastet und davon ausgegangen, dass ich sie als Schlampe betitelt hätte.

Aber ehrlich gesagt, hatte ich nur den Wunsch für sie Luft zu sein und gar nicht zu existieren. Ich wollte um keinen Preis auffallen um nicht noch mehr einstecken zu müssen.

Das Mädchen ist auf mich zugerannt gekommen und hat mich angeschrien. Als ihr Worte keine Befriedigung verschafften, fing sie an mich zu schlagen. Ich wusste nicht, was um mich geschah und versuchte mich mit Tritten zu währen. Irgendwie schaffte ich es auch sie von mir fernzuhalten.

Doch sie versuchte einen neuen Angriff zu starten und in diesem Moment griff ein Lehrer ein. Meine Freundin beobachtete den Kampf und ich kann mich an keine Bemühungen der Unterstützung erinnern.

Ich war die, die für ihre Beleidigung mit Schlägen und Erniedrigung zahlen musste und als wäre das nicht genug gewesen, ging meine Halskette, die ich von meiner Mum geschenkt bekommen hatte, kaputt. Es war ein silbernes Kettchen mit Herz-Anhänger, sehr symbolisch wie ich mich zu dieser Zeit gefühlt hatte.

Ehrlich gesagt, konnte ich nach diesem Tag meiner Freundin nicht mehr so richtig vertrauen. Für mich ist unsere Freundschaft, wie meine Kette, an diesem Tage zerbrochen.

Sie war vorher mit der „Anführerin“ die ganze Zeit über befreundet geblieben, sie hatte sie nie darauf angesprochen, dass es nicht richtig sei mich zu mobben .. all das habe ich hingenommen. Aber diese Schlägerei hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Wie es weiterging?

Diese Anführerin, ihre Eltern, meine Mum, mein Klassenlehrer und Ich hatten ein Schlichtungsgespräch. Für mich war das eine verdammte Heuchelei! Das Mädchen wurde als Engel dargestellt, der niemals solche Handlungen machen würde und mein Lehrer beschloss, dass ich die Kette selber ausversehen kaputt gemacht hätte ..

Ich sag doch, dass er ein Arschloch war. Wir mussten uns schauspielerisch beieinander entschuldigen und schwuppdiwupp war die Sache gegessen.

Zum einen war das natürlich eine Erleichterung für mich. Zum anderen kam ich mir wie im falschen Film vor. Als würde mich niemand mehr ernst nehmen …

Übrigens trafen meine Eltern und ich noch einmal auf diese gewisse Dame. Bei uns in der Stadt war Altstadtfest. Sie war steinhagel voll und fing an durch die ganze Stadt Beleidigungen nach mir zu rufen. Als sie uns verfolgte, sprach mein Vater sie darauf an, was sie für ein Verhalten an den Tag legen würde und sie antworte mit derartig obszönen Beleidigungen..

Aber was soll man da als Vater machen? Eine minderjährige verprügeln wohl kaum ..

Was ich daraus gelernt habe?

Dass ich meine Zeit auf der Realschule gehasst habe. Das war die schlimmste Schulzeit die ich je hatte.

Aber ich habe wirklich etwas daraus gelernt:

Wenn ich merke, dass jemand gemobbt wird, gehe ich dazwischen und versuche zu schlichten oder ich stelle mich auf ihre/seine Seite und gebe damit ein Gefühl, dass dieser nicht allein ist. Niemand sollte so ein schlimmes Gefühl kennenlernen und wenn ich helfen kann, dann tue ich das auch!

Ich habe gelernt keinen über das Internet zu beleidigen und mich aus vielen Dingen einfach rauszuhalten.

Natürlich werden im Arbeitsleben auch Gerüchte über Kollegen erzählt, aber ich versuche jedem seine eigene Chance bei mir zu geben.

Ich kann sagen, dass mein Selbstbewusstsein gewachsen ist und ich nie wieder so etwas mitmachen würde. Wenn ich mir das alles noch einmal überlege, hätte ich andere Lehrer ansprechen müssen, die wirklich ein paar Eier mehr in der Hose gehabt hätten.

Oder meine andere Lösung, die viele wahrscheinlich nicht für richtig erachten, ich hätte diese Anführerin selbst verprügeln müssen… wäre es nicht zu diesem Kampf gekommen, hätte sie nie aufgegeben und da bin ich mir leider sehr sicher.

Und weglaufen bringt nichts, manchmal muss man sich den Dingen einfach stellen. Und es kam mir so vor, als wäre ich damals ständig weggerannt und das gibt mir ein Gefühl, als wäre ich nicht handlungsfähig gewesen. Ich habe damals sehr oft darüber nachgedacht mich zu wehren und sie einfach anzugreifen. Damit zu zeigen, dass ich für mich Kämpfe, aber ich habe keinen Mut gefunden.

Aber auch heute bin ich natürlich nicht frei von Menschen, die einem negativ gegenüber treten. Zum Beispiel gab es eine Mitarbeiterin die mich versucht hat, rauszuekeln.

Wir hatten eine kleine Küche im Pausenraum und sie suchte all meine Tupperdosen raus und legte sie auf meinen Tisch. Nach dem Motto „Für dich ist hier kein Platz.“ Sie war für die Kaffeeliste zuständig und schrieb mich jedes Mal wieder als „Gast“ auf. Nur traurig, dass diese Frau schon um die 50 Jahre alt war.

Als die Tage unerträglich warm im Büro wurden, zog ich mir eine kurze Hose an. Störte eigentlich niemanden, da ich keinen Kundenkontakt hatte. Sie machte es sich aber zur Aufgabe diese Kleidung hinter meinem Rücken beim Abteilungsleiter zu bemängeln und als wäre das nicht genug gewesen, kritisierte sie hinter meinem Rücken, dass ich mit einer Schlafanzughose zur Arbeit kommen würde, was natürlich nicht der Fall war, da es eine verkackte Sommer-Stoffhose war.

Es ist noch mehr vorgefallen, aber ich möchte dazu kommen, was ich dagegen gemacht habe:

Jede Woche gab es ein Team-Meeting und ich nahm mir meinen Mut zusammen sie direkt auf diese Sache vor allen anderen anzusprechen.

Natürlich war mir kotzübel, meine Hände wurden kalt und ich fühlte mich zittrig. Dann fiel mein Name und ich wurde gefragt, ob es diese Woche Dinge gab die ich ansprechen wollen würde. Also sagte ich, dass ich meine Arbeitsaufträge gut erledigt hatte, es aber ein anderes Problem geben würde.

In diesem Moment schaute ich dieser Frau in die Augen und sagte: „Liebe Frau X, wenn DU ein Problem mit mir hast, dann sprich mich gefälligst selbst darauf an und stelle keine falschen Vermutungen hinter meinem Rücken auf.“

Sie wurde kleinlaut und fing zu stottern an. Und ich wurde von Sekunde zu Sekunde stärker und hab ihr meine Meinung gegeigt. Und da sie eine Tochter in meinem Alter hatte, habe ich sie gefragt, wie sie es finden würde, wenn sie so eine Arbeitskollegin wie sie auf der Arbeit hätte …

Und dass, wenn sie meine Kleidung als Schlafanzug erachten würde, mir von ihrem Geld welche kaufen könne, da ich mir keine Luxus-Kleidung in meiner Ausbildung kaufen könne.

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie gut das tat. Das Gefühl jemandem so etwas vor dem Kopf zu stoßen, der immer nur austeilt, war die reinste Befriedigung.

Danach hatte ich meine Ruhe.

Das ist der springende Punkt. Wir selber sollten keine Arschlöcher sein, aber wenn uns jemand scheisse behandelt, weil er selber Probleme mit sich hat, dann sollten wir uns das nicht gefallen lassen.

Viele Menschen kennen das Gefühl nicht mit der Wahrheit frontal konfrontiert zu werden. Die meisten fühlen sich hinter dem Rücken anderer zu sicher …

Ich hoffe, dass mein Beitrag helfen konnte,

Es wird immer Menschen geben die uns aus unerklärlichen Gründen nicht leiden können, aber wir sollten das Beste daraus machen.

Also bleibt dabei,
Eure Wolfsfrei♥

 

 

2 Gedanken zu „Mobbing – Meine Erfahrungen“

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